Social Media Boom durch die Corona-Pandemie

Social Media Boom durch die Corona-Pandemie

Die Corona-Pandemie bestimmt noch immer unseren Alltag. Viele Menschen, die durch Quarantäne oder Einschränkungen bedingt zu Hause bleiben müssen, sind daher noch digitaler unterwegs. Sie nutzen Social Media noch intensiver – sowohl in der Frequenz als auch in der Verweildauer je Besuch. Laut des Global Statshot Reports von Hootsuite und We Are Social sind mit fast vier Milliarden Menschen im Juli 2020 erstmals mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung auf Social Media aktiv. Das sind über 376 Millionen Menschen mehr als im Vorjahr – ein Anstieg von mehr als 10%. Im Oktober 2020 wurde sogar von einem Anstieg von 12,3% im Vergleich zum Vorjahr berichtet.

Quelle: datareported.com

In Zeiten von Corona sind die sozialen Medien umso wichtiger geworden, wie die seit Februar 2020 weltweit um 16% gestiegenen Online-Aktivitäten bereits im April 2020 zeigten.

Sie helfen während der Krise nicht nur, mit anderen Usern Kontakt aufzubauen oder zu pflegen, sondern ersetzen oftmals komplett den physischen Kontakt. Nicht zuletzt halten sie uns über das öffentliche Geschehen auf dem Laufenden. Dienen zugleich der Unterhaltung und Aufmunterung. Es ist nicht verwunderlich, dass im letzten Jahr deutlich mehr Traffic in Form von Posts, Views, Likes, Shares und Reposts in den sozialen Medien verzeichnet werden konnte.

Nutzerverhalten in den Social-Media-Kanälen


Quelle: Bitcom

Was heißt das für Unternehmen?

Die Pandemie legt das Social-Media-Marketing nicht lahm – ganz im Gegenteil: Plattformen wie Facebook, Instagram und Co. werden noch intensiver genutzt als vor der Pandemie. Auch die Social-Media-Kanäle Twitter, TikTok und YouTube verzeichnen steigende Nutzerzahlen. Clever eingesetzt, können Unternehmen von diesen Online-Medien profitieren und als Gewinner aus der Krise hervorgehen.

Wichtig hierbei ist es, regelmäßig Nutzerinhalte, wie z.B. konkrete Informationen über Serviceangebote oder unterhaltsame Posts zu teilen, um dauerhaft bei Nutzern zu punkten. Dadurch verhelfen sowohl potenzielle Neu- als auch Bestandskunden den Unternehmen zu mehr Aufmerksamkeit, Reichweite und Sichtbarkeit für deren Dienstleistungen und Produkte.

Unternehmen setzten im letzten Jahr wieder verstärkt auf die Kommunikation per Facebook. Die Nutzerdemographie der Informations- und Vernetzungsplattform hatte sich vor der Krise noch ins Negative verändert und auch das Wachstum ging zurück. Doch durch die Pandemie gewann die Plattform wieder an Bedeutung. Rund drei Milliarden aktive Nutzer pro Monat verzeichnen die drei großen Netzwerke des Konzerns – Facebook, Instagram und WhatsApp.

Überraschungs-Aufsteiger Zoom

Einer der Überraschungs-Aufsteiger während der Corona-Krise ist der Anbieter Zoom. Unternehmen nutzten das Tool ab März 2020 verstärkt, um auch von Zuhause aus mit Kollegen und Partnern via Videokonferenzen in Verbindung bleiben zu können. Auch Business-Netzwerke wie Xing oder LinkedIn verzeichneten höhere Nutzerzahlen und stärkten damit ihre Marktstellung bei der Ansprache von Geschäftskunden. Die chinesische Video-Plattform TikTok, die schon vor der Krise insbesondere bei 16- bis 24-jährigen Usern ein Riesenerfolg war, nahm während der Pandemie enorm an Nutzerzahlen zu. Ebenfalls rückte die Kommunikation über Messaging Apps, wie WhatsApp wieder verstärkt in den Vordergrund.


Quellen: Hootsuite Digital Report 2019, Statista, Omnicore LinkedIn, Omnicore Twitter

Gewinner der Corona-Pandemie …

Neben Anbietern von Videodiensten zählen vor allem Lieferdienste wie Lieferando zu den großen Gewinnern der Krise. Durch die Pandemie stieg die Nachfrage des 2009 gegründeten Unternehmens stark an. Die Anzahl der bestellten Speisen stieg im ersten Halbjahr 2020 auf rund 49 Millionen. Ein Zuwachs von 34 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Umsatz verdoppelte sich von 80 Millionen Euro auf 161 Millionen Euro. Da die Sicherheit von Kunden und Lieferfahrern gleichermaßen für Lieferando oberste Priorität hat, wurden während der Pandemie Vorsichtsmaßnahmen eingeführt. Außerdem bedankte sich der Lieferdienst in den sozialen Medien wie bspw. Instagram bei seinen Fahrern und unterhielt seine Abonnenten mit Gewinnspielen, Quizzes und lustigen Sprüchen (Bsp.: Twitter).

Die Lieferdienst-Branche hat durch die Pandemie eine durchaus positive Entwicklung erlebt: neue Restaurantanfragen (über 2.500 Neuanfragen von deutschen Gastronomien) und neue Kunden sichern dem Lieferdienst in der schwierigen Zeit die Existenz.

Auch die Social Media-Präsenz hat sich durch die Pandemie verstärkt. Lieferando gewann während des Lockdowns mehr als das Dreifache an Beiträgen und das Doppelte an Engagement, wobei das Unternehmen selbst wenig aktiv in den sozialen Medien war.

Quelle: Lieferando Instagram

… und die (wirtschaftlichen) Verlierer

Aufgrund der in diesem Maße unbekannten Situation überschlugen sich auch in der Automobilbranche die Meldungen zu Werkschließungen, Rettungspaketen und drohenden Pleiten. Der Daimler-Konzern versuchte sich mit Kurzarbeit und Krediten durch die Krise zu schlagen. Der Großteil der Produktion wurde für zwei Wochen unterbrochen – was mit Verlusten von knapp zwei Milliarden Euro verbunden war.

Um gegen die Verbreitung des Coronavirus zu kämpfen, startete Mercedes-Benz eine TV-Kampagne, die an die Vernunft der Menschen appellierte. Ungewöhnlich für Autohersteller war der TV-Spot in dieser Zeit definitiv: leise und schlicht, nur aus dem Appell #stayhome und einem Danke bestehend. Den Dank widmet der Stuttgarter Premiumautobauer allen, die an vielen Stellen gegen das Virus kämpften und sich um die Gesundheit und das Wohlbefinden der Bevölkerung kümmerten. Der Clip zirkulierte auch in den sozialen Medien, wie beispielsweise auf YouTube und Instagram. Daimler und Mercedes-Benz nutzten ihre Reichweite auf den Social-Media-Kanälen für Ratschläge, die zur Verlangsamung der Ausbreitung des Virus beitragen sollten. Darunter waren Tipps und Ratschläge zu Themen wie Hygiene und verantwortungsvolles Verhalten, aber auch Informationen von Gesundheitsorganisationen sowie Tipps zum Umgang mit Risikogruppen und Erkrankten.

Quelle: Mercedes Benz Instagram

Jedoch ließ die Social-Media-Präsenz des Konzerns während des Lockdown-Phasen nach. Die Anzahl veröffentlichter Beiträge sank in den Zeiten der Lockdowns. Nicht zuletzt dank der neuen S-Klasse erreichte Mercedes-Benz dann seinen Höhepunkt an Beiträgen im September 2020.

Beiträge im Zeitverlauf

Quelle: Talkwalker*

*Medientypen: News, Newsletter, Blogs, Foren, Twitter, YouTube, Flickr, Foursquare, Mixcloud, VKontakte, Pinterest, Eksi Sözlük, Twitch, Google Play, Review Sites

Fazit

Bereits vor der Krise waren soziale Medien ein wertvoller Marketing-Kanal. In Zeiten sozialer Distanz verlagert sich die Beziehung noch stärker in die digitale Welt. Soziale Medien stellen sich damit einmal mehr als mächtiges Werkzeug dar, um Beziehungen aufzubauen und zu pflegen. Durch die Krise haben sie sowohl für jüngere als auch für ältere Menschen einen deutlich größeren Stellenwert erreicht. Viele Unternehmen haben die sozialen Medien während der Pandemie als Chance gesehen. Sie verstärken durch die vermehrte Kommunikation über Live-Streams und andere soziale Netzwerke die Nähe zu Followern, Interessenten und Kunden. Somit steigt auch die Brand-Awareness. Dabei lässt sich das positive Image durch effektives Community Management bewahren oder sogar verbessern. Agiles und zeitnahes (Re)-Agieren auf veränderte Bedürfnisse der Zielgruppe ist hierbei wichtig. Somit hat die Pandemie teilweise zum Werbeerfolg mancher Unternehmen und zu deren Relevanz beigetragen. Für Werbetreibende ist dieser Anstieg während der Pandemie interessant – jedoch ist noch nicht abzusehen, ob es sich dabei nur um eine temporäre oder nachhaltige Veränderung handelt. Gezielt beobachten mit Hilfe von Social Listening sollten Unternehmen die zukünftigen Entwicklungen im Hinblick auf die Corona-Pandemie, die damit verbundenden Trends und das Benutzerverhalten im Social Web, in jedem Falle.

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